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Ergebnisse in Leipzig!

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Fan-Kongress endet mit Annäherung bei Stadionverboten

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im Kreise von Fanclub-Mitgliedern
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erkennt an, dass Änderungsbedarf bei der Verhängung von Stadionverboten besteht. Die Vertreter der Fanszenen, die an diesem Wochenende im Rahmen des ersten bundesweiten Fan-Kongresses in Leipzig getagt hatten, einigten sich auf eine Selbstverpflichtung, gegen jede Form der Diskriminierung vorzugehen. Insgesamt nahmen am zweitägigen Kongress in der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig 420 Fans und Offizielle teil. Dadurch waren Fans von 50 Vereinen der Bundesliga, der 2. Bundesliga, der Regionalligen und anderen Amateurklassen an den intensiven Diskussionen in fünf Foren beteiligt.

"Es darf keine Kluft geben innerhalb des Fußballs, zwischen seinen Institutionen, dem Verband und der Liga, sowie den Zuschauern in den Stadien. Mit diesem Kongress haben der DFB und die Deutsche Fußball-Liga ein Gesprächsangebot gemacht, dass von Seiten der Fans großartig angenommen wurde. Den Dialog wollen wir fortsetzen", sagte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Der DFB-Präsident hatte den Kongress am Samstag eröffnet.

Schmidt: "Ein erfolgreicher Versuch, den Dialog zu stärken"

In seinem Schlusswort äußerte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt am Sonntag: "Der Kongress war ein erfolgreicher Versuch, den Dialog zu verstärken und ohne Vorbehalte unterschiedliche Positionen auszutauschen. Deshalb war es auch positiv, dass Konflikte in einzelnen Sachthemen nicht ignoriert oder bagatellisiert wurden. Selbstverständlich kann ein solcher Kongress keinen Beschlusscharakter haben, aber der DFB wird alles daran setzen, die gemachten Zusagen im Laufe der zweiten Jahreshälfte umzusetzen."

Der DFB war in Leipzig auch durch seinen Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn und seinen Fanbeauftragten Gerald von Gorrissen vertreten.

Im Forum "Spannungsfelder" wurde das Thema "Stadionverbote" diskutiert. Weitere Foren bearbeiteten die Themen "Fankulturen", "Fanbetreuung", "Anti-Diskriminierung" und "DFB-Länderspiele". Derzeit ist ca. 3.000 Personen in Deutschland der Besuch eines Stadions der ersten bis dritten Liga in Folge eines begangenen Fehlverhaltens verboten.

"Gerade auch aufgrund der Gespräche mit den Fans in Leipzig, wollen wir das Verfahren der Stadionverbote reformieren", sagte Task-Force-Leiter Helmut Spahn. "Wir wollen die Dauer der Verbote, die maximal zwischen drei und fünf Jahren gelten können, gerechter gestalten und gegebenenfalls auch verkürzen. Zudem muss der Heimatverein des jeweiligen Fans beim Verfahren eingebunden werden. Schließlich wollen wir im Dialog mit den Vereinen, den Fanprojekten und der Polizei ein System der Bewährung erarbeiten. Einige Vereine haben damit bereits positive Erfahrungen gemacht."


DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger
Neben den Fanprojekten der Vereine und der Dachorganisation Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) nahmen auch die bekannten Fangruppen der Szene am Kongress teil: Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF), Pro Fans, Faninitiative "Dem Ball ist’s egal, wer ihn tritt", "Wir-sind-Ade", IG Unsere Kurve.

Gemeinsam gegen Diskriminierung

Bei allen Teilnehmern herrschte Einvernehmen, dass man künftig gemeinsam und entschlossen gegen jede Form der Diskriminierung vorgehen will. Die Fangruppen wollen sich unter anderem dafür einsetzen, noch stärker anti-rassistische und anti-diskriminierende Aspekte in Stadionordnungen und Vereinssatzungen einzubringen.

"Alle bundesweit relevanten Fangruppen waren beteiligt, fast alle Projekte nutzten die maximal mögliche Teilnehmerzahl aus. Dieser Kongress wurde von Fanseite voll angenommen. Die kontroversen Themen wurden in konstruktiven und sehr diszipliniert geführten Gesprächen aufgearbeitet. Sicherlich sind auch einige Fans nicht ganz zufrieden oder sogar enttäuscht mit den Ergebnissen. Aus der Sicht des DFB hat sich der Dialog jedoch gelohnt", sagte Gerald von Gorrissen, der DFB-Fanbeauftragte.

Bereits in Leipzig wurde vom DFB mit den Vertretern der großen Faninitiativen vereinbart, den Gedankenaustausch in der Arbeitsgruppe "Fan-Dialog" zeitnah fortzusetzen.

[hs]

Gruß Rudi
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Hört sich gut an. Aber jetzt müssen den Worten trotzdem erstmal Taten folgen.
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Nette Veranstaltung! Ob was draus wird ist wiederum eine andere Sache!

"Derzeit ist ca. 3.000 Personen in Deutschland der Besuch eines Stadions der ersten bis dritten Liga in Folge EINES BEGANGENEN FEHLVERHALTENS verboten."

Das Problem an der Sache ist ja gerade, dass es oftmals nicht so ist....
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Zitat " Task-Force-Leiter Helmut Spahn. "Wir wollen die Dauer der Verbote, die maximal zwischen drei und fünf Jahren gelten " bla, bla , bla  !!

Gegen mich liegt wegen der Geschichte in Schalke ein SV von 6 Jahre vor, nix Dauer der Verbote zw. 3-5 Jahre.

Sehr kompetent Hr. Spahn + Fanbetreung  !!!

Lächerlich  !!!
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http://fan-geht-vor.de/pages/posts/antwort-der-fanbetreuung-und-des-vorstandes-eintracht-ag-auf-ultras-mitteilung-und-aufruf-zur-solidaritaetsaktion-durch-die-ultras-frankfurt228.php schrieb:


· Vorfall Schalke 04 am 12. August 2006

In Gelsenkirchen wurde der Fahrer eines Fanbusses gezwungen, an der Gaststätte des Schalker Fanclubverbandes anzuhalten. Ein Teil der Busteilnehmer verließ den Bus, stürmte die Gaststätte und beging Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Der Bus wurde daraufhin von der Polizei gestoppt, und es erfolgte eine Aufnahme der Personalien. Dabei wurde auch festgestellt, dass eben dieser Bus bereits bei der Anfahrt nach Gelsenkirchen an einer Rasstätte aufgefallen war und es zu einer Personalienfeststellung kam. Mit Ausnahme von acht Mitfahrern, für die der Busfahrer aussagen konnte, dass sie den Bus nicht verlassen hatten, wurde seitens Schalke 04 für die übrigen Personen ein bundesweites Stadionverbot über fünf Spielzeiten erteilt.

In einem umgehend anberaumten Meeting zwischen Fanvertretern und der Eintracht Frankfurt Fußball AG wurde vereinbart, dass sich weitere von den Stadionverboten betroffene Personen, die jedoch ebenfalls an den Handlungen nicht unmittelbar beteiligt, sondern ganz bewusst im Bus verblieben waren, bei der Fanbetreuung von Eintracht Frankfurt melden sollten. Auch wurde zugesagt, dass Eintracht Frankfurt sich in diesen Fällen gemeinsam mit der Polizei Frankfurt um eine Aufhebung der Stadionverbote durch Schalke 04 bemühen werde. Gemeldet hingegen haben sich nur zwei Personen. Es ist für uns aber unmöglich, für unschuldig mit Stadionverbot belegte Personen einzutreten, wenn diese nicht an uns herantreten.


Wegen der Sache?
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Yep , genau deshalb  !!
Zitat " weitere von den Stadionverboten betroffene Personen, die jedoch ebenfalls an den Handlungen nicht unmittelbar beteiligt, sondern ganz bewusst im Bus verblieben waren, "

Ich stand vor dem Bus am nä. Baum um mich zu erleichtern.

Mittlerweile ist das Ermittlungsverfahren eingestellt worden , für mich leider mit dem falschen Paragraphen.

SV von 6 Jahre besteht weiterhin  !!
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So, grad aus Leipsch zurück.

Die dpa-Meldung liest sich gut, so gut haben wir uns aber nicht immer gefühlt. Um dieses Versprechen so zu erhalten, mussten wir ziemlichen Druck aufbauen. Das war alles zuerst irgendwie recht unkonkret, da waren wir nicht mit zufrieden und es wurde sehr deutlich. Wir haben dann die konkreten Zusagen bekommen, dass in allen vier Punkten des Positionspapiers, Dauer, Bewährung, Bezugsverein, Aufhebung bei Einstellung, etwas geschehen wird und dass die Neufassungen der SV-Richtlinien bis zur Rückrunde in Kraft sein sollen.

Nur was das wird, muss man erst sehn, und ich werde auch erst feiern, wenn ich das schwarz auf weiß habe und damit leben kann.

Es werden ja erst Formulierungsvorschläge duch Spahn gemeinsam mit u.a unserm aquila erarbeitet, die dann in den Ausschuss für Sicherheitsfragen gehen. Und da sitzen die Betonköpfe. Wir Fans hatten auf dem Kongress die Erwartung, wir wären da schon ein wenig weiter. Aber offensichtlich ist man beim DFB etwas langsamer.

Es wird jedoch höchst wahrscheinlich Verbesserungen geben, da einige bestehende Regelungen vor allem präzisiert werden müssen, damit sie auch von den Vereinen angemessen angewendet werden.

Parallel dazu (und dass ist auch sehr wichtig) muss die praktische Umsetzung der Richtlinien vereinheitlicht und auf einen höheren Standard gehoben werden. Damit eben Einzelfallprüfungen durchgeführt werden, Bewährungen erteilt werden oder besser noch, SVs gar nicht erst verhängt werden. Und das ist eben Fanarbeit von den Vereinen.

Und das ist das, was ich so an persönlichen Eindruck aus Leipzig mitnehme: Bei vielen Vereinen ist die Fanarbeit irgendwo zwischen beschissen und nicht existent und da muss etwas geschehen. Zu dem Schluss kamen die Teilnehmer irgendwie in allen Themenbereichen.

O.k., ich glaubs erst, wenns da ist. Aber wir Fans haben Dampf gemacht und es bewegt sich was. Das allein ist eigentlich schon ein fast historischer Erfolg. Aber uns interessiern die Ergebnisse.




Und da ich ziemlich platt bin, wars das jetzt auch erstmal von mir. Das FSG macht nochmal einen richtigen Bericht.
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Wie soll es weitergehen?
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womeninblack schrieb:
Wie soll es weitergehen?


Hat ich das nicht schon geschrieben? Spahn erarbeitet Vorschläge, die in einer AG u.a mit Stefan Minden abgestimmt werden. Das soll in ca. acht Wochen gemacht sein. Das ist ja schon mal eine Vorgehensweise, die es beim DFB so noch nie gab.

Diese Vorschläge gehen dann aber in den Ausschuss, der ja die Stadionverbotsrichtlinien erstellt. Und da sitzen dann die üblichen Leute drin.

Die wie auch immer neuen Richtlinien gelten dann zur Rückrunde.
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schusch schrieb:


Diese Vorschläge gehen dann aber in den Ausschuss, der ja die Stadionverbotsrichtlinien erstellt. Und da sitzen dann die üblichen Leute drin.



Wenn der Sicherheitsbeauftragte ein gemeinsames Konzept mit den Fans erstellt und dieses dem Gremium vorlegt, spricht doch vieles dafür, dass die auch zustimmen oder ist ernsthaft damit zu rechnen, dass die ihren eigenen Sicherheitsbeauftragten ausbooten?
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Haddekuche schrieb:

dass die ihren eigenen Sicherheitsbeauftragten ausbooten?



Ausschließen würde ich es nicht. Spahn ist erst ganz neu dabei, er sitzt da noch nicht fest im Sattel. Bei den Funktionären sitzen noch viele, die unter MV dahin gekommen sind. Und wenn der Zwanziger jetzt seine Perstroika da durchzieht, schmeckt das nicht allen. Da ist viel Politik im Spiel.

Abwarten.
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Ach so, noch ein Klopper nebenher, der für ziemlich viel Tumult gesorgt hat (nicht gegen den DFB).

Mitgestalter des Fankongresses und Teilnehmer des vorbereitende Fanforums sind ja die vereinsübergreifenden Organisationen B.A.F.F, Pro Fans und Unsere Kurve

In einem anderen Thread war ja von der Anfrage der Fraktion Die Linke über den Umgang mit Gewalt bei Fußballspielen die Rede. Wer die Anfrage gestellt hat, ist ja egal, die Antworten sind interessant. Das Bundesministerium des Inneren hat nämlich geantwortet:

Frage: "Treffen nach Auffassung der Bundesregierung die sich häufenden Berichte von Fanvereinigungen wie „BAFF“, „PROFANS“, „Netzwerk für Fanrechte“ oder der „Aktion 3. Welt Saar“ zu, nach denen sich polizeiliche Maßnahmen gegen friedliche Fußballfans in den letzten Jahren gehäuft haben? Wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus? Wenn nein, wie erklärt sich die Bundesregierung diese sich häufenden Berichte?

Das denkt man sich so bei Schäubles:

"Den in der Anfrage genannten Vereinigungen sowie weiteren ist u.a. gemeinsam, dass ihre Vorwürfe und daraus abzuleitende Forderungen letztlich auf die Einräumung rechtsfreier Räume für so genannte „Fußballfans“ abzielen. Vorbilder aus Süd- und Südosteuropa sowie aus Südamerika spielen hier ganz offenbar eine meinungsbildende Rolle. Die ständige Wiederholung derartiger Vorwürfe zielt darauf ab, sowohl das staatliche Gewaltmonopol als auch das Hausrecht der Vereine in der öffentlichen Diskussion in die Defensive zu drängen."

Also stimmt es doch: Fußballfans sind Verbrecher! Wenn das Innenministerium das sagt, muss ja was dran sein. Und der DFB macht also gemeinsame Sache mit Feinden der Rechtsordnung. Das hätte es unter MV nicht gegeben!

Natürlich sofort einstimmiger Beschluss, den DFB aufzufordern, da mal beim BMI ein paar Sachen klar zu stellen.

Datei GWS: Die Inhalte der Antwort auf die Kleine Anfrage sind auch generell im Zusammenhang mit dem Kongress wichtig, da er Beschluss gefasst wurde, den DFB aufzufordern zu bewirken, dass eine automatische Information des Betroffenen bei einem Eintrag erfolgt (damit man z.B. nicht irgendwann am Flughafen blöd da steht) und dass die Einträge auf ihren Anlass hin überprüft werden (damit man auch nicht noch wegen einer Nichtigkeit am Flughafen blöd da steht). Vermutlich würde das die Zahl der Einträge stark reduzieren. Auf dem Podium hätte eigentlich ein Vertreter der ZIS sitzen sollen. Hat aber gekniffen.


http://dip.bundestag.de/btd/16/055/1605549.pdf



Voller Bericht kommt noch, wenn Zeit und die Ergebnisse zum Download da sind (spart Arbeit )
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Der (erste) Bericht von Unsere Kurve ist jetzt online:

http://www.unserekurve.de/cms/pages/posts/erster-bericht-vom-fan-kongress-in-leipzig30.php

Beste Grüße

aquila
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Fanaticfreak schrieb:
Nette Veranstaltung! Ob was draus wird ist wiederum eine andere Sache!

"Derzeit ist ca. 3.000 Personen in Deutschland der Besuch eines Stadions der ersten bis dritten Liga in Folge EINES BEGANGENEN FEHLVERHALTENS verboten."

Das Problem an der Sache ist ja gerade, dass es oftmals nicht so ist....



An dem Punkt musste ich auch grinsen!

Meine Euphorie auf baldige Verbesserungen im gegenseitigen Umgang hat einen Dämpfer erlitten. So wie sich das ganze liest, wird dieses Thema noch jahrelang in der Bürokratiemühle des DFB rumgeistern.
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@ Schusch

Was erwartest Du von einem verbitterten Politiker der hinter jedem Mülleimer einen Terroristen vermutet ?
Man muß sich doch nur einmal ansehen welche Forderungen dieser Herr in den letzten Monaten vom Stapel gelassen hat. Ich bekomme bei ihm immer mehr den Eindruck das nicht nur jeder Fußballfan ein Verbrecher ist sondern jeder Bürger. Die Unschuldsvermutung der Verfassung und die Grundrechte sind für ihn nur noch lästige Relikte einer Zeit in der es in Deutschland Liberalismus und Freiheit gab.
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Fanaticfreak schrieb:
Nette Veranstaltung! Ob was draus wird ist wiederum eine andere Sache!

Eismann130 schrieb:
bla, bla , bla  !!
Lächerlich  !!!

Schoppenpetzer schrieb:
Meine Euphorie auf baldige Verbesserungen im gegenseitigen Umgang hat einen Dämpfer erlitten. So wie sich das ganze liest, wird dieses Thema noch jahrelang in der Bürokratiemühle des DFB rumgeistern.


Man kann natürlich auch alles von Anfang an zerreden. Man kann auch alles von Anfang an schlecht machen. Man kann sich auch an Kleinigkeiten oder einzelnen Formulierungen aufhängen und daraus ableiten, das die Welt eben schlecht ist und sich niemals ändern wird. Ob das wirklich sinnvoll und hilfreich ist, wage ich aber zu bezweifeln.

Keiner der relevanten Fanorganisationen ist angesichts der Ergebnisse aus Leipzig in vorschnellen oder naiven Jubel verfallen. Jedem ist bewußt, dass man den "Dialog" nicht um seiner selbst willen führt, sondern weil man im Dialog Ergebnisse erreichen will. Deshalb ist auch niemand schon deswegen zufrieden, weil man sich endlich im Dialog befindet und weil man endlich den Eindruck hat, zumindest vom DFB sei der Dialog aufrichtig gewünscht. Eine gewisse Zufriedenheit wird sich erst dann einstellen können, wenn man nicht nur miteinander redet, sondern konkrete Verbesserungen erzielt hat.

Natürlich hat sich der DFB in der Vergangenheit - vornehm formuliert - nicht gerade besonders sensibel und kooperativ gegenüber Faninteressen gezeigt. Er hat sich das - auch in der Bewertung von Leipzig noch massiv spürbare - Mißtrauen über Jahre redlich verdient.

Das alles sollte und darf aber andererseits nicht dazu führen, von vorneherein alles mies zu machen nach dem Motto "wird doch eh nix!". Das würde der aktuellen Situation gewiss nicht gerecht. Was die Thematik der Stadionverbote angeht, haben wir zwar noch keine Ergebnisse (die konnten in Leipzig ja auch nicht verabschiedet werden, schließlich war das ein Fankongress und nicht die Sitzung des DFB-Sicherheitsausschusses, der am Ende entscheidet), wir sind aber auf einem ganz hervorragenden Weg. Das muss man erkennen und sollte man anerkennen. Wir haben die Zusage zu substantiellen Änderungen - und, was enorm wichtig ist, wir werden nicht einfach still zuschauen und abwarten müssen, was nun am Ende herauskommt, sondern sind aktiv am weiteren Prozess beteiligt. Schon in ein paar Wochen werden wir uns erneut mit den Verantwortlichen des DFB treffen und die weiteren Einzelheiten besprechen.

Ihr könnt uns glauben, dass die Delegation von Unsere Kurve, welche sich mit dem DFB trifft, durchaus "hochkarätig" besetzt ist und hohen Sachverstand besitzt. Da wird sich keiner "über den Tisch ziehen" lassen oder nicht merken, wenn das Ganze in Richtung bloß kosmetischer und weitgehend folgenloser Änderungen abdriften sollte. Und Ihr könnt weiterhin glauben, dass in einem solchen Falle (den ich nicht erhoffe und auch nicht erwarte, aber natürlich auch nicht ausschließen kann) Unsere Kurve nicht einfach den Schwanz einzieht, sondern die Fanszenen, die weiteren Fanorganisationen und die Öffentlichkeit informieren würde.

Klar ist, dass man immer Kompromisse eingehen muss und die Stadionverbots-Richtlinien auch in der überarbeiteten Fassung noch genügend Anlass zu Kritik geben werden. Trotzdem bin ich eher optimistisch, dass wir spürbare substantielle Verbesserungen durchsetzen werden. Und ich behaupte jetzt einfach einmal, dass selbst Eismann130, der nach heutigem Stand wegen des Schalke-Vorfalls ein SV bis 30.06.2012 hat und dem zum Kongress nur "lächerlich!" einfiel, deutlich früher wieder ins Stadion darf.

Das mag dann nichts daran ändern, dass er - obwohl er persönlich nichts gemacht hatte - 2 bis 3 Jahre "unschuldig" aus der Kurve verbannt wurde. Allerdings dürfte dies dann doch eher die Schuld derjenigen gewesen sein, die - in voller Kenntnis der SV-Regeln und -Praxis - es für klug halten, aus dem Bus auszusteigen und die Kneipe aufzumischen, als die Schuld von uns "Realos" oder "Reformisten", die mit dem DFB über konkrete Veränderungen sprechen und dabei halt vermutlich nicht jede Maximalforderung durchsetzen können.

Beste Grüße

aquila

@Eismann: "5 Jahre" im Sinne der Richtlinien sind, wie jeder weiß, "5 Jahre plus laufende Saison", d.h. bei einem SV zu Anfang der Saison eben fast 6 Jahre. So hast Du, wie alle anderen Betroffenen des Schalkevorfalls, eben Ende August 2006 Dein SV bekommen, das bis 30.6.2012 gelten soll. Wenn Spahn jetzt zusagt, die "Höchstdauer von fünf Jahren" abzusenken (statt genauer: die "Höchstdauer von fünf Jahren plus laufende Spielzeit"), so macht das weder seine Aussage noch unsere Bemühungen "lächerlich".
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@aquila
Meine Äußerung hat nichts mit "Miesmacherei" zu tun! Aber es gibt nun mal eben Sachen, die sich nie oder nur sehr langsam ändern. Schaue dir doch die UNO an. Dort wird seit Jahrzehnten von verbesserungen geredet und was passiert:
- bei Völkermorden schaut man immer noch weg
- Beschlüsse gegen die "Großen" sind nicht realisierbar (Narrenfreiheit)
- Korruption bleibt Alltag
- Politiker aus menschenverachtenden Regimen werden gewählt
...
In der EU wird auch immer von weniger Bürokratie un der Annäherung an die Bevölkerung geredet - passiert ist freilich nichts. Fast alle Fußballorganisationen (von FIFA bis zum DFB) sind ähnlich wie die zuvor genannten Institutionen für ihre "Trägheit" und Realitätsferne bekannt. Durch die bisherigen Mitteilungen sehe ich absolut keine Veränderung. Daß man jetzt mit dem Fan redet, löst bei mir keine Begeisterungsstürme aus. Der DFB hat bereits sehr viele Alibiveranstaltungen gehabt und konnte am Ende des Volkes Zorne mit Brot und Spielen entkommen. Vor der WM 2006 haben sich sehr viele Leute zurecht wegen der idiotischen und unfairen Kartenverteilung aufgeregt. Also ließ man kurzerhand Ersatzveranstaltungen mit dem Namen "Fan-Fest" organisieren und alles redet seit dem nur noch vom Sommermärchen, 1 Mio Leute in Berlin und vom "grün-weißen Partybus".


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